
Die ersten 100 Tage als Geschäftsführer von Avenergy Suisse standen im Zeichen des Zuhörens, des Kennenlernens und des Austauschs mit Mitgliedsunternehmen, Behörden, politischen Entscheidungsträgern und Partnerorganisationen. Die zahlreichen Gespräche und Besuche vor Ort haben eindrücklich gezeigt, welche zentrale Rolle unsere Branche für die Schweiz spielt und wie stark sich ihr Umfeld in den vergangenen Jahren verändert hat.
Eine Erkenntnis hat sich dabei besonders bestätigt: Eine sichere Energieversorgung wird oft erst dann wahrgenommen, wenn sie nicht mehr selbstverständlich ist. Solange Menschen mobil bleiben, Unternehmen produzieren können und Gebäude zuverlässig beheizt werden, bleibt die dahinterstehende Leistung meist unsichtbar. Doch genau diese Leistung wird täglich von den Unternehmen unserer Branche erfolgreich erbracht. Die Versorgung der Schweiz mit flüssigen Energieträgern ist eine Grundvoraussetzung für Wohlstand, Wettbewerbsfähigkeit und Lebensqualität. Sie betrifft sowohl die Mobilität von Personen und Gütern als auch die Wärmeversorgung von Haushalten, Gewerbe und Industrie.
Die ersten Monate haben vor allem gezeigt, mit welcher Professionalität, welchem technischen Know-how und welchem Verantwortungsbewusstsein unsere Mitglieder diese Aufgabe wahrnehmen. Besuche bei Unternehmen, Tanklagern, Logistikstandorten und weiteren Infrastrukturanlagen haben verdeutlicht, wie komplex die Systeme hinter der Energieversorgung unseres Landes sind und wie viele Menschen täglich dazu beitragen, dass sie zuverlässig funktionieren. Besonders beeindruckend ist die Fähigkeit der Branche, Herausforderungen zu bewältigen, die für die Öffentlichkeit oft kaum sichtbar sind: die Sicherung internationaler Lieferketten, die Bewirtschaftung strategischer Reserven, der Betrieb kritischer Infrastrukturen und die Gewährleistung einer zuverlässigen Versorgung auch unter schwierigen Rahmenbedingungen.
Während geopolitische Entwicklungen oder internationale Marktbewegungen nicht steuerbar sind, gibt es Bereiche, auf die wir direkten Einfluss haben. Dazu gehören insbesondere unsere Infrastrukturen. Raffinerie, Tanklager, Umschlaganlagen, Transportwege und Verteilnetze sind das Rückgrat der Versorgungssicherheit. Es ist entscheidend, diese Infrastrukturen nicht nur zu erhalten, sondern konsequent weiterzuentwickeln. Die Versorgungssicherheit entsteht nicht erst in Krisenzeiten. Sie wird über Jahre aufgebaut und durch kontinuierliche Investitionen gestärkt.
Die Schweiz verfügt bereits heute über flexible und resiliente Logistikketten für flüssige Energieträger sowie über bedeutende Speicherkapazitäten. Während Batterien Energie über Stunden und Speicherseen über Wochen bereitstellen können, ermöglichen Lager für flüssige Energieträger eine Versorgung über mehrere Monate hinweg. Keine absehbare Technologie wird diese Speicherkapazitäten mittelfristig ersetzen können.
Unsere bestehenden Anlagen sind dabei kein Relikt der Vergangenheit. Im Gegenteil: Sie bilden die Grundlage dafür, dass künftig grössere Mengen erneuerbarer Energieträger transportiert, gelagert und verteilt werden können. Die bestehende Infrastruktur ist damit nicht nur ein Pfeiler der heutigen Versorgungssicherheit, sondern auch ein zentraler Baustein der Energieversorgung von morgen. Versorgungssicherheit und Energiewende sind deshalb keine Gegensätze. Die erfolgreiche Transformation wird auf den Kompetenzen, Infrastrukturen und Erfahrungen aufbauen, die heute bereits vorhanden sind. Eine erfolgreiche Energiewende braucht nicht nur neue Technologien, sondern auch die Fähigkeit, bestehende Stärken weiterzuentwickeln und sinnvoll zu nutzen.
Die ersten 100 Tage als Geschäftsführer von Avenergy Suisse haben mir bestätigt, dass die Schweiz über engagierte Unternehmen, hochqualifizierte Fachkräfte und leistungsfähige Infrastrukturen verfügt. Sie haben mir aber auch gezeigt, dass die Energieversorgung unseres Landes in einem zunehmend instabilen und weniger vorhersehbaren Umfeld stattfindet. Umso wichtiger wird es sein, Risiken frühzeitig zu erkennen, die Resilienz unserer Versorgungssysteme zu stärken und die Planbarkeit der notwendigen Investitionen für die Zukunft sicherzustellen. Darauf werde ich in den kommenden Jahren meinen Hauptfokus legen.
Ich freue mich darauf, diesen Weg gemeinsam mit unseren Mitgliedern, Partnern und Stakeholdern fortzusetzen und mit meinem Team dazu beizutragen, dass die Schweiz auch in Zukunft auf eine sichere, resiliente und zukunftsfähige Versorgung für Mobilität und Wärme zählen kann.
Olivier Fantino
Geschäftsführer Avenergy Suisse
